Parodontalerkrankungen: Mikrobiologische Diagnostik, Therapie und Nachsorge
Parodontalerkrankungen sind weit verbreitet.
Aktuelle Untersuchungen zeigen: 53% der Erwachsenen leiden unter einer mittelschweren Parodontitis und 21% sogar unter einer schweren Form. Bei den Senioren sind 48% von einer mittelschweren und 40% von einer schweren Erkrankung betroffen.
Wird eine Zahnfleischentzündung, sog. Gingivitis, frühzeitig erkannt, kann man mit relativ einfachen Behandlungsmethoden in kurzer Zeit eine Heilung herbeiführen. Besteht bereits eine Parodontitis (= Entzündung des knöchernen Zahnhalteapparates), ist auch hier eine Früherkennung wichtig, weil mit zunehmender Schwere der Erkrankung das knöcherne Stützgewebe irreversibel zerstört wird und damit auch deren Behandlung schwieriger wird.
Wie entstehen Gingivitis und Parodontitis?
Gingivitis und Parodontitis sind durch Bakterien verursachte Erkrankungen des Zahnfleisches bzw. des Zahnhalteapparates. Eine Parodontitis entwickelt sich allmählich aus einer unbehandelten Gingivitis und tritt anfangs nur an einzelnen Stellen auf.
Ohne das Vorhandensein bestimmter Bakterien, sog. Markerkeime, entstehen keine entzündlichen Erkrankungen des Zahnhalteapparates. Aber auch Menschen mit gesundem Zahnfleischverhältnissen sind Träger dieser Keime.
Wenn durch unzureichende Zahnreinigung die Menge der Bakterien zunimmt, gefährliche Arten vermehrt auftreten, oder wenn der Körper in seiner natürlichen Abwehr geschwächt ist, entwickeln sich Gingivitis und später Parodontitis.
Das Parodontitis-Risiko ist demnach individuell verschieden und von vielen weiteren Faktoren abhängig. Neben allgemeinen Grunderkrankungen (z.B. nicht eingestellte Zuckerkrankheit, Bluthochdruck), einer Störung des Immunsystems, Stress und Nikotinabusus gibt es auch genetisch bedingte Risikofaktoren.
Wird die Entzündung nicht gestoppt, kann sie auf den Kieferknochen übergreifen und schubweise zu dessen Abbau führen.
In unserer Praxis verwenden wir zur Früherkennung der Parodontitis den Parodontalen Screening Index (kurz:PSI): Um das Zahnfleisch zu beurteilen, wird das Gebiss in sechs verschiedene Abschnitte eingeteilt. Die möglichen Befunde sind in den Codes 0 bis 4 zusammengefasst. Nur der höchste Wert je Bereich wird notiert:
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Code 0 steht für gesundes Zahnfleisch.
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Code 1 und/oder 2 ist ein Hinweis für eine Gingivitis.
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Code 3 deutet auf das Vorliegen einer mittelschweren,
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Code 4 einer schweren Parodontitis.
Therapeutische Konsequenzen bei Code 1 und / oder 2:
Hier liegt eine Gingivitis vor.
Angemessene therapeutische Maßnahmen sind Mundhygieneinstruktion, die regelmäßige Durchführung individualisierter und methodisch strukturierter professioneller Zahnreinigungen mit dem Ziel, weiche und harte Ablagerungen zu entfernen sowie Plaqueretentionsnischen (überstehende Füllungsränder usw.) zu beseitigen.
Therapeutische Konsequenzen bei Code 3 und / oder 4:
Wenn bereits Keime zwischen Zahn und Zahnfleisch eingedrungen sind und sich auf der Wurzeloberfläche angesiedelt haben, ist eine Selbstheilung trotz perfekter Mundhygiene nicht mehr möglich.
Die vollständige Beseitigung des verursachenden bakteriellen Biofilms, der sich auf den Zahn- und Wurzeloberflächen sowie in den Zahnfleischtaschen befindet, ist somit Grundlage jeder Behandlung.
Mikrobiologische Testsysteme bei Parodontalerkrankungen
Molekularbiologische Testsysteme helfen heilen!
Gesunde Zähne sind wertvoll! Dies wird uns oftmals aber erst bewusst, wenn es zu spät ist.
Durch Markerkeimanalysen und eine genetische Risikobestimmung können Risikofaktoren für die Entstehung und den Verlauf einer Parodontitis schnell und schmerzfrei ermittelt werden. Dies liefert uns zusätzliche Informationen für eine speziell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmte Therapie und ermöglicht Ihnen somit einen größtmöglichen Behandlungserfolg.
Wie funktioniert die Markerkeimanalyse mit dem DNS-Sondentest?
Wie funktioniert die Markerkeimanalyse mit dem DNS-Sondentest?
Als Markerkeime bezeichnet man eine Gruppe von Parodontitis-Bakterien mit einem hohen Krankheitspotenzial.
Die Analyse dieser Keime gibt Auskunft darüber, welche und wie viele dieser aggressiven Bakterien in den entzündeten Zahnfleischtaschen vorhanden sind. Auf der Basis dieser Informationen wird dann entschieden, ob eine Antibiotikatherapie sinnvoll ist und welches Antibiotikum optimal wirksam ist.
Je nach Test ist es möglich, die drei oder sechs wichtigsten Parodontitis assoziierten Markerkeime qualitativ und quantitativ zu identifizieren. Ausgangspunkt ist die bakterielle DNS (Erbsubstanz), die mit Hilfe der PCR (Polymerasekettenreaktion) molekularbiologisch analysiert wird.
Der DNS Sondentest liefert wichtige Informationen in der Parodontaldiagnostik und ?behandlung:
Der DNS Sondentest liefert wichtige Informationen in der Parodontaldiagnostik und ?behandlung:
- bei Patienten mit etablierter Parodontitis und Attachmentverlust
- bei Patienten mit therapieresistenter Parodontalerkrankung
- zur Bestimmung des Rezidivrisikos und
- zur Wahl eines geeigneten Antibiotikums
- zur Kontrolle des Therapieerfolgs nach Abschluss einer Parodotalbehandlung
- sowie in der Implantologie und Prothetik:
- zur Einschätzung des Risikos für Gewebeabbau vor Implantationen oder umfangreichen prothetischen Sanierungen
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zur Diagnostik periimplantärer Entzündungen
Wie funktioniert die Risikobestimmung mit dem Genotyp Test?
Parodontitis ist erblich!
Liegt bei einem Patienten eine erblich bedingte Anfälligkeit für die Parodontitis vor, so schreitet die Erkrankung deutlich schneller voran als bei einem Patienten ohne diese Veranlagung. Die betroffenen Patienten erleiden häufig trotz guter Mundhygiene einen überdurchschnittlich starken Knochenabbau und bedürfen daher besonders intensiver Therapie- und Prophylaxe-Maßnahmen.
Bei Vorliegen eines genetischen Defekts im Immunsystem wird der zentrale Entzündungsvermittler Interleukin-1 im Übermaß produziert. Dieser Risikomarker bleibt lebenslang unverändert, so dass eine einmalige Testung genügt.
- zur Bestimmung des Parodontitis-Risikos in der unterstützenden Parodontaltherapie und damit
- zur Festlegung des Recalls
Die strukturierte Parodontalbehandlung
Am Anfang jeder Zahnfleischbehandlung steht eine intensive klinische und röntgenologische Befundung.
Bei besonderen Formen einer Parodontalerkrankung kann die Durchführung von sog. Parodontitsrisiko-Tests sinnvoll sein.
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Bei besonderen Formen einer Parodontalerkrankung kann die Durchführung von sog. Parodontitsrisiko-Tests sinnvoll sein.
Die systematische Behandlung einer Parodontitis gliedert sich in vier zeitlich voneinander abgegrenzte Abschnitte und richtet sich nach Typ und Schweregrad der jeweiligen Parodontalerkrankung:
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Vorbehandlung (i.d.R. 2 Sitzungen)
Durch Demonstration verschiedener Reinigungsinstrumente lernen Sie, wie Sie die Effektivität der häuslichen Mundhygiene verbessern können. Gleichzeitig werden individualisierte professionelle Zahnreinigungen durchgeführt. Damit werden die Zähne von erreichbaren Belägen und Auflagerungen befreit und die Bakterienmenge verringert. Die Entzündung geht zurück. -
Die antiinfektiöse (nicht-operative) Parodontalbehandlung (1 bis 2 Sitzungen)
Mit speziellen Instrumenten (Ultraschall, Handinstrumente, medizinische Spüllösungen) werden Bakterienkolonien und deren harte Auflagerungen, sog. Konkremente, von den Wurzeloberflächen entfernt. Anschließend werden Bakterien mit dem Laser in der Tiefe der Taschen aufgespürt und gezielt mit kleinen Laserlichtimpulsen verdampft. Zusätzlich regt der Laser die Mikrozirkulation an und beschleunigt die Heilung. Um eine Neuinfektion bereits behandelter Areale durch Krankheitserreger aus noch nicht behandelten Zahnfleischtaschen zu verhindern, hat sich die Durchführung der Parodontalbehandlung in ein bis zwei Sitzungen innerhalb 24 Stunden bewährt. Gleichzeitig wird unterstützend eine Keimzahlreduktion in möglichst allen oralen Nischen durch die Behandlung mit Chlorhexidin durchgeführt (sog. Full Mouth Desinfection). -
Die Nachsorge (2-3 Sitzungen innerhalb 4 Wochen)
Das behandelte Zahnfleisch benötigt zur Wundheilung 28 Tage. In dieser Phase ist das Risiko einer Neuinfektion besonders hoch. Deshalb bedarf es für diese Zeitspanne einer intensiven Nachsorge. In den einzelnen Nachsorgesitzungen werden methodisch strukturierte Zahnreinigungen durchgeführt, die dafür sorgen, dass sich auch an schwer zugänglichen Stellen keine neuen Bakterienkolonien ansiedeln können. Zusätzlich werden medikamentöse Spülungen durchgeführt und/oder medizinische Gele in die Zahnfleischtaschen installiert. -
Reevalutation bzw. Neubewertung
Nach Abschluss der Nachsorge erfolgt erneut eine parodontologische Befunderhebung. Sind keine Blutungen und erhöhten Sondierungswerte mehr erkennbar, ist die eigentliche Parodontitisbehandlung erfolgreich abgeschlossen und Sie werden in die sog. unterstützende Parodontitis-Therapie, auch Recall oder Erhaltungstherapie genannt, aufgenommen. In Ausnahmefällen können einzelne Parodontien (Zahnhalteapparat eines einzelnen Zahnes) immer noch entzündet sein. Hier sind weitere Behandlungsschritte nötig, die individuell mit Ihnen besprochen werden.
Die lebenslange Nachsorge, auch unterstützende Parodontitis-Therapie oder Recall
Der langfristige Erfolg der Parodontalbehandlung hängt von Ihrer Mitarbeit und von der regelmäßigen Betreuung durch das zahnärztliche Praxisteam ab. Damit kein Rezidiv (Rückfall) auftritt, ist es entscheidend, dass Sie im Rahmen der sog. unterstützenden Parodontal- oder Erhaltungstherapie gewissenhaft und regelmäßig
Der langfristige Erfolg der Parodontalbehandlung hängt von Ihrer Mitarbeit und von der regelmäßigen Betreuung durch das zahnärztliche Praxisteam ab. Damit kein Rezidiv (Rückfall) auftritt, ist es entscheidend, dass Sie im Rahmen der sog. unterstützenden Parodontal- oder Erhaltungstherapie gewissenhaft und regelmäßig
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die individuell festgelegten Nachsorgetermine zur Kontrolle Ihrer parodontalen Gesundheit einhalten und
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risikoabhängig individuell strukturierte professionelle Zahnreinigungen von unserem Prophylaxeteam durchführen lassen.
Kernstück jeder Recallsitzung ist die methodisch struktuierte professionelle Zahnreinigung inkl. Reinigung und medikamentöser Spülungen von Restzahnfleischtaschen. Diese Maßnahmen sind in den meisten Fällen alle drei bis sechs Monate erforderlich, abhängig von der Schwere der Erkrankung und dem individuellen Erkrankungsrisiko.
Alle Texte und Bilder Copyright © Dres. Kleimann 2009



























